Wie steht es eigentlich um den japanischen Yen?

Japanischer Yen zeigt Stärke!

Trotz Naturkatastrophe und Atomunglück konnte der Yen in den vergangen Monaten deutlich gegenüber dem Euro zulegen.

Der Euro hatte vor einem Monat unmittelbar nach dem EZB-Zinsentscheid und dem angekündigten Rücktritt des deutschen EZB-Chefvolkswirts Stark herbe Verluste einstecken müssen, wie im aktuellen Research der DekaBank mitgeteilt wurde.

Von diesen habe er sich weitgehend erholt: Gegenüber den meisten großen Währungen konnte er im Monatsvergleich sogar zulegen.

Doch einer zeigte sich störrisch: der Japanische Yen. Dieser stieg nochmals um rund 0,5 % gegenüber der Gemeinschaftswährung an.

Ein Blick auf die Gewinner der Lehman-Krise 2008/ 2009 zeigt überdies, dass es auch damals die Devise aus dem fernen Osten war, die gegenüber dem Euro die stärksten Wertzuwächse verbuchte.
Leistungsbilanz und Liquidität machen’s möglich

In der aktuellen Schuldenkrise mutet das merkwürdig an. Denn die Japaner verzeichnen Staatsschulden im Verhältnis zum nominalen Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Höhe von über 200 %.

Das liegt z.B. deutlich über dem Wert Griechenlands. Auch bewegen sich die Budgetdefizite Nippons zurzeit bei rund 10 %. Sie sind damit etwa doppelt so hoch wie die Eurolands.

Weshalb ist der Yen aber dann so gefragt?

Es sind im Wesentlichen drei Gründe, die seine Stärke ausmachen

Erstens ist Japan Nettogläubiger gegenüber dem Ausland. Bereits seit 1981 häufen die Japaner jedes Jahr Leistungsbilanzüberschüsse von im Durchschnitt 2,7 % des nominalen BIP an.

Damit haben sie wie keine andere Nation im Rest der Welt Vermögen aufgebaut. Dies birgt eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass im Krisenfall Japaner ausländische Gelder zurück in die Heimat holen.

Und allein diese Überlegung reicht aus, dass internationale Anleger derzeit den Yen suchen und bereit sind, für ihn mehr zu zahlen.

Zweitens wurden in der Vergangenheit häufig so genannte „Carry Trades“ durchgeführt, die jetzt wieder zurückgedreht werden. D.h.:

Früher wurden billige Yen-Kredite aufgenommen, diese Yen daraufhin in andere Währungen getauscht und das Geld höher verzinslich im Ausland angelegt.

In Zeiten erhöhter Unsicherheit werden solche Positionen geschlossen, die Yen-Kredite wieder zurückgezahlt.

Hierdurch entsteht zusätzliche Yen-Nachfrage mit entsprechendem Aufwärtsdruck auf den Preis der Währung.

Drittens steht der Yen unter den meistgehandelten Währungen weltweit auf Platz 3 – hinter US-Dollar und Euro. Knapp 10 % der tägliche Devisenmarktumsätze finden in der Währung Japans statt. Und in Zeiten hoher Unsicherheit ist Liquidität Trumpf.

Zugegeben: Der Euro wird etwa doppelt so viel gehandelt und steht trotzdem schlechter da.

Aber: Euroland hat nicht die gleichen Auslandsforderungen wie Japan und ist von der Krise auch stärker betroffen als die Asiaten. Nach der Krise schwächer, aber nicht schwach.

Der Yen sollte mit dem Abklingen der Krise wieder schwächer werden, zumal das die Deflationssorgen Nippons mindern würde. Doch schwächer heißt nicht schwach.

Der hohe Leistungsbilanzüberschuss ist in einer Phase, in der wir nach einem neuen Ausgleich in der Weltwirtschaft suchen („Rebalancing“) ein gewichtiger Grund, warum der Japanische Yen relativ gerade im Vergleich zur Zeit vor der Lehman-Krise stark bleiben sollte.